ICHI–KOUSATSU

interaktive installation (2013)

Die Installation „Ichi-Kousatsu“ lädt den Betrachter anhand einer interaktiven, audiovisuellen Projektion dazu ein, Gegensätze wie Hast und Ruhe, Aktion und Kontemplation, Werden und Vergehen gleichermaßen zu erfahren. Dass diese Gegensätze sich dabei gegenseitig bedingen und als Teile einer Einheit zu betrachten sind, entspricht auch der Bedeutung des japanischen Titels: „Ichi-Kousatsu“ steht sinnbildlich für „Eine Betrachtung“, „Eine Überlegung“, „Ein Nachdenken“.

In der Mitte hängt ein nackter Ast. Vom weißem Licht eines Projektors angestrahlt, nimmt er mit seiner dürren, gleichwohl organischen Form eine zentrale Position im Raum ein. Auf der Wandfläche dahinter ist der resultierende Schatten zu sehen. Dieser natürliche Schatten des toten Astes ist allerdings um die Projektionen verschiedener Blüten tragender Zweige erweitert.
Das ruhige Bild wird durch vier Lautsprecher akustisch mitgetragen: Ein unaufdringliches tiefes Rauschen und eine dezente helle Klangfläche füllen den Raum, während sich die projizierten Zweige in einer sanften windähnlichen Bewegung hin- und herwiegen.
Die ersten Betrachtungen werden durchbrochen, sobald eine Person die Installation betritt und dadurch automatisch ihr eigenes Schattenbild mit auf die Wand wirft: In diesem Moment krümmen sich die Zweige und verblassen zusehends. An den Ansätzen der nun verschwundenen Zweige erscheinen kleine schwarze Punkte, welche an einen Schwarm von Fliegen erinnern. Diese unruhigen Teilchen folgen mit einem kullernden Geräusch etwaigen Bewegungen der Schatten werfenden Person und umkreisen diesen Schatten in schwarmartigen Formationen. Das anfänglich ruhige Bild der verwachsenen Aststruktur ist nun dem Spielfeld der Interaktion von Person und Schwarm gewichen.
Sobald die Person im Bild aufhört, sich zu bewegen oder gar das Bild wieder verlässt, beruhigt sich auch der Schwarm. Nach einem kurzen Moment der allgemeinen Ruhe orientieren sich die Teilchen des Schwarms neu und bewegen sich auf den Schatten eines bewegungslosen Objektes zu (dies kann eine still stehende Person im Projektionsfeld oder auch der Ast selbst sein) um darin zu verschwinden. Wenige Augenblicke später entstehen dort, aus den natürlichen Schatten der Person oder des Astes hervorgehend, erneut feine kleine Zweigstrukturen. Unter knackenden und ächzenden Lauten wachsen diese Zweigstrukturen heran, bis sie schließlich Blüten tragen und ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch langsam hin- und herschaukeln, um dann irgendwann schließlich erneut von einer Bewegung im Projektionsfeld zerstört zu werden…

Computer, Beamer, Kamera, Soundanlage, Ast
Programmierung: Processing, Supercollider
Entstanden an der Bauhaus-Universität Weimar
unter der Betreuung von Prof. Robin Minard und Prof. Nathalie Singer
(2013)



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