WELT KLANG SPHÄRE

kinetische licht- und klanginstallation (2015)

Perspektiven auf die Unendlichkeit der Welt und ihrer Möglichkeiten: In der raumgreifenden Installation WELT KLANG SPHÄRE wird der große Reichtum an vielfältigen Klanglandschaften rund um den Globus erlebbar gemacht, indem die Klänge durch die unregelmäßige Bewegung einer Kugel selektiert, arrangiert und räumlich wiedergegeben werden.

Angetrieben von einer sich langsam, aber beständig neigenden Kreisplatte bewegt sich eine blaue Kugel auf einem runden Tisch. Durch eine in sie eingefasste Taschenlampe erinnert die Kugel an einen leuchtenden Augapfel. Dieses merkwürdige, scheinbar orientierungslose Objekt lässt seinen Lichtstrahl wie einen suchenden Blick über die dunklen Raumwände ziehen. Gleichzeitig erklingt im Raum das installationseigene Geräusch der rollenden Kugel, jedoch um ein vielfaches verstärkt. Fast dröhnend schallt es von den Raumwänden zurück, und zwar aus eben jener Richtung, in welche die Kugel ihr Licht hinsendet. So zieht auch der Klang an den Wänden entlang und folgt der Bewegung des Lichts.



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Nun wird es leiser. Die Bewegungen des Lichtkegels werden kürzer und langsamer, sie pendeln sich ein. Das Licht hat einen Ort gefunden, an dem es verweilt, die Kugel ist zum Stehen gekommen. Es folgen einige Momente der Stille, bevor ganz allmählich, immer lauter und präsenter werdend, eine ferne Klanglandschaft zu vernehmen ist. Möwen schreien, Wellen rauschen, entfernt hallt das Nebelhorn eines Schiffs: Der Installationsraum wird mit den Klängen eines fernen Ortes gefüllt. Wo genau auf der Welt sich dieser Ort befindet, wird anhand der Klanglandschaft selbst nur selten deutlich. Im Installationsraum kommen jedoch auch diese Klänge aus derselben Richtung, in welche die Kugel ihr Licht hinwirft.

Nach einer gewissen Zeit verstummt die fremde Klanglandschaft. War der Raum soeben noch gefüllt mit Klängen eines fernen Ortes, mit Aufnahmen, die zu einer vergangen Zeit entstanden, so kehrt er nun zu sich selbst zurück, in das unmittelbare Hier und Jetzt der Installation: Die kaum merkliche, sich jedoch ununterbrochen und gleichmäßig verlagernde Neigung der Kreisplatte hat die Trägheit der Lichtkugel überwunden und resultiert in einer erneuten Bewegung mit unvorhersehbarer Dauer, Plötzlichkeit und Ausrichtung. Das Licht gleitet über die Raumwände und auch der dröhnend verstärkte Klang der Kugel rollt erneut durch den Raum. Die der Bewegung entspringende Unruhe und die Undefinierbarkeit des Raumes hält solange an, bis die Kugel abermals ihren Moment der Trägheit findet und der Strahl auf einer anderen Stelle im Raum zur Ruhe kommt. Orakelhaft und zyklisch lässt die Installation somit einen klanglich und zeitlich heterogenen Erlebnisraum entstehen, dessen Hülle sich ständig neu (er-)findet.

Da die Installation mit der ständig wachsenden Online-Datenbank von RADIO APOREE verbunden ist, kann sie auf nahezu 30.000 Klänge von über 25.000 Orten der Welt zugreifen (Stand: Juli 2015). Sobald die Kugel zum Stillstand kommt, wird über einen Suchvorgang ein Klang ermittelt, dessen geografische Herkunft mit der Ausrichtung des Lichtstrahls übereinstimmt – sofern man sich vorstellt, die Installation befände sich im Inneren einer sie umschließenden Weltkugel. Zeigt das Licht beispielsweise senkrecht nach oben, wird nach Klängen aus der Arktis gesucht. Unterhalb der Installation würde folglich nach Klängen der Antarktis, in der Horizontalen nach Klängen aus Regionen rund um den Äquator gesucht werden. Die Ermittlung der jeweiligen Such-Koordinaten wird über einen ebenfalls in der Kugel eingebauten Bewegungs- und Lagesensor ermöglicht, welcher zusätzlich die räumliche Verteilung des Klangs über acht in den Raumecken versteckte Lautsprecher steuert. Ein kleines am Installationstisch angebrachtes Display zeigt darüber hinaus zusätzliche Informationen des Suchergebnisses an. Somit ist der Besucher in der Lage, sowohl den genauen Ort, Zeitpunkt und Titel des Klangs, als auch den jeweiligen Namen der aufnehmenden Person zu erfahren.

lichtkugel:
acrylglas, PLA-füllung, led, batterien, microcomputer, 9DOF bewegungs- und lagesensor, funkübertragung

installationstisch:
mdf, holz, dc-motor, nylonschnur, kontaktmikrofon

installationssystem:
computer, 8 kanal sound, internet, bildschirm für informations-animation (artist, titel, ort der aufnahme usw.)


Besonderer Dank gilt Udo Noll für seine freundliche Unterstützung.

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